Pressemeldung zum Bildungsstreik

Streik der Studenten an der Universität Regensburg – Piraten bekunden Solidarität

Jeder kennt einen, ist vielleicht selbst betroffen. Egal ob aus Straubing, Kelheim, Schwandorf, Cham, Dingolfing… Genug junge Menschen erhoffen sich eine bessere Zukunft, indem sie sich für ein Studium entscheiden. Viele allerdings haben zwar auch durchaus das Potenzial, entscheiden sich aber dagegen.

Schön zu hören, wie sich die verantwortlichen Politiker und Schulleiter an die Regensburger Studenten und jene, die das werden möchten, wenden. Da heißt es unter anderem, die Studiengebühren seien notwendig um die Qualität zu steigern. Finanzielle Schäden würden kaum entstehen, da man ja genug Unterstützung verlangen könnte. Günstige Darlehen zum Beispiel, die für einen geringen Prozentsatz entspannt zurückzuzahlen wären. Und wie sehr man doch begrüße, dass sich das Niveau der Universitäten und Hochschulen im Freistaat seit Einführung der Gebühren im Vergleich zu anderen Bundesländern verbessert habe. Soll das heißen, dass das Niveau in Bayern zuvor eher niedrig war? Auf dem Papier mag das alles schon ganz nett klingen, aber in der Praxis sieht das alles ganz anders aus. So sorgt ein undichtes Dach im Bereich Physik der Uni Regensburg nicht nur für Regenwasser in den Räumen, nein, auch wurde hier ein Fotografierverbot verhängt. Wissen also die Schulleiter um die Peinlichkeit und wollen Beweisfotos vermeiden? Ein geplanter Flashmob der Studenten vergangene Woche wurde verhindert, indem man den gesamten Bereich samt Bibliothek gesperrt hat – die Verantwortlichen hätten von dem „Überfallversuch“ gehört. Die Studenten wollten mit Kameras bewaffnet auf die mehr als fragwürdige Situation aufmerksam machen.

Dafür also werden die Studiengebühren wohl nicht verwendet. Vielleicht für die Bücherei? Nein, denn da gibt es ja ein feststehenden Etat, das seit Jahren auf 2 Millionen Euro eingefroren ist. Dass die Kosten für wissenschaftliche Literatur jährlich um etwa acht Prozent steigen, interessiert da nicht. Im Gegenteil: Selbstgefällig und unbeeindruckt – in der Presse als „gelassen“ bezeichnet – übernehmen Landtagsmitglieder, Rektoren und Minister die Merkel-Taktik: zurücklehnen und aussitzen. Sie hoffen, dass die Demonstrationen und Proteste nach ein paar Tagen wieder um sind. Eventuell muss man den Studenten ein paar kleine Zuckerl hinwerfen, dann werden sie schon Ruhe geben und weiter brav ihre Gebühren abtreten – immerhin 1.000 Euro im Jahr. Ist ja nicht viel.

Das diese jungen Menschen auch eine Unterkunft brauchen, etwas zu Essen, Schulbücher und Lehrmaterial, einen Internetzugang und entsprechende Hardware – davon gehen die Professoren ja auch aus – und vieles mehr, vergisst man dabei. Papa wird schon dafür auch noch aufkommen, wenn der Nachtjob von Tochter und Sohn nicht ausreicht.

Die Studiengebühren sind ein Armutszeugnis für einen Staat. Er hat versagt, seinen Bürgern die Ausbildung zu gewährleisten, zu dem viele Fähig sind. Wir können also davon ausgehen, dass immer häufiger nicht die mit dem Grips sondern die mit dem Geld die Ausbildung erhalten. Elite-Bildung par excellence. Dieses Schönreden bringt niemandem etwas. In wirtschaftlich schweren Zeiten, müssen wieder einmal die Bürger den Geldbeutel aufhalten. Wenn die Eltern schon finanziell ausgelastet sind, dann bekommen die Schulabgänger schon früh mit, möglichst Schulden zu vermeiden. Ein abgeschlossenes Studium ist keine Jobgarantie – auch wenn Schwarz-Gelb uns das gerne vorlügt. Man will uns glauben machen, dass man mit einem Diplom in der Tasche sofort 5.000 Euro im Monat verdient. Ja, in wenigen Ausnahmefällen mag das schon so sein. Aber eben nur in Ausnahmefällen. Es gäbe unzählige Beispiele zu nennen, einige Sachen klar zu stellen und viele Proteste Kund zu tun. Doch das würde hier den Rahmen sprengen.

Die Piratenpartei richtet sich an alle Studenten und Studentinnen in Regensburg und allen anderen Universitäten und Hochschulen: Gebt nicht auf. Alle Macht geht vom Volke aus. Es wird Zeit, dass dieser Grundsatz unserer Gesellschaft wieder in die Köpfe der Politiker gebracht wird.

Der Staat hat die moralische Verpflichtung, ist es unser aller Zukunft schuldig, seinen jungen Bürgern eine Bildung nach deren Fähigkeiten zu ermöglichen. Wenn er dies nicht schafft, hat er auf ganzer Linie versagt. Wer Banken Geld geben kann damit diese weiter großzügige Gehälter und Boni bezahlen können, möge uns bitte nicht vorjammern, es sei kein Geld für die Ausbildung unserer Kinder da!


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